Der Roman ist in 5 verschiedenen Zeitachsen angesiedelt, 1910, 1911, 1915-1921,1923-1924, 1925.
Diese Zeiträume werden regelmässig gewechselt, ohne Ankündigung, es bedarf gründlichen Hinschauens um diese springende Kontinuität einzuordnen.
1.Teilabschnitt Seite 9-16. (Verlag C.H.Beck, seitenidentisch mit dtv).
Der Roman beginnt zunächst im Sommer 1923.
Die Handlung:
Ein gewisser Dr. Negria, ein junger rumänischer Arzt in Ausbildung ist an der mit Oskar K.(verstorben Feb.1924) verheirateten Mary K.interessiert und will sie zu einer Bootsfahrt einladen.

Eine Ouverture, welche die umgemein genau observierende Qualität des Doderer’schen Sprachuniversum etabliert.
Negria kann die scheinbare Loyalitätvon Mary K. nicht verstehen, er ist eine “fordernde, eine postulierende, eine fuchtelnde Natur.”(S.11) Die Konsequenzen solchen Handelns führen im Fall Negria bis hin zu einer späteren Terrororganisation, die “Operation Negria”, welche mit dem Anschlag auf einen Authohändler endete.
Mary K. hat sich hingegen arrangiert mit der Umgebung, bis hin zu den alltäglichsten Beobachtungen des Taxistandes, deren lautlos sich langsam vorwärtsbewegende Schlange eine Konstante in ihrem Leben geworden ist.
Die zahllosen Verästelungen der unterschiedlichen Beweggründe dieser beiden Protagonisten werden differenziert beschrieben, ebenso die räumlichen Gegebenheiten, so etwa der detailgenau beschriebene Taxistand in unmittelbarster Nähe zur Bootsanlegestelle.
Die Intervention des Dr. Negria, sie ist der erste Wellenschlag in diesem Universum, dessen Komplexität der Schriftsteller hier entwickelt. Doderer’s Figuren sind niemals Idealbilder, sondern es sind reale Menschen, unvollständig wie die Welt selbst.
Dazu eine Aussage von Doderer, der seinen Anspruch als Romancier vielfach formuliert hat:
“Er (der Schriftsteller) weiss, dass Romanhandlungen möglich, universal und repräsentativ sind, sobald die
immer wieder auftretenden Vacua der zweiten Wirklichkeit sozusagen von einer ersten Wirklichkeit eingekesselt und umgeben bleiben: also der Deskription unterworfen, durch die Mittel der Kunst bewilligt und zum Ausdruck gebracht werden können.
Damit werden sie Phänomene unter Phänomenen, das heisst sie erfahren eine Realisierung, eine Ver-Wirklichung
im Sinne einer Durchdringung mit Wirklichkeit. Ist aber die zweite Wirklichkeit uns nur benachbart, ist sie ein Reich neben uns und ein Mass in seiner Immanenz, dann steht des Schriftstellers Sache verzweifelt. Was er nicht mehr umfassen kann, ein Objekt, das er mit seinen empirischen Organen nicht allseitig mehr zu appercipieren vermag: es hebt ihn selbst auf.
Seine Funktion ist die Realisierung auch des Irrealen, das durch ihn zur Erfahrungstatsache und darstellbar wird. Wo keine Romanhandlungen mehr möglich sind, dort beginnt das Schatten- und Aschenreich der Untertatsächlichkeiten,
der nicht mehr umgreifbaren, ungar gebliebenen Pseudo-Konkretionen.”
(aus: Grundlagen und Funktion des Romans, S.40)